Psychohygiene

Nahrung für die Seele


Die „Psychohygiene“ (seelische Hygiene) beschäftigt sich mit der „Lehre vom Schutz und der Erlangung der psychischen Gesundheit“. Psychohygiene findet sich nicht erst in der wissenschaftlichen Psychologie. Bereits Frühvölker versuchten sich durch Spiel, Tanz oder Beschwören vor Krankheiten zu schützen.

 

Im deutschen Sprachraum ist die Psychohygiene auf die Psychiatrie zurückzuführen. Der deutsche Psychiater Robert Sommer verwendete bereits im Jahre 1900 diesen Begriff und gründete 1924 den deutschen Verband der Psychohygiene. Deshalb hat die Psychohygiene möglicherweise in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer einen eher „negativen Touch“. Viele Menschen haben Angst, als psychisch krank „abgestempelt“ und in die Psychiatrie „abgeschoben“ zu werden und damit jegliches Recht zur Selbstbestimmung und menschlichen Würde zu verlieren. Deshalb scheint dies auch nach wie vor ein sehr hochsensibles Thema zu sein.

 

"Jüngste Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigen, dass in den Industriestaaten seelisches Leid die größte Gesundheitsgefahr im 21. Jahrhundert sein wird. 2020 werden psychische Leiden, nach Herz-Kreislauferkrankungen, an zweiter Stelle liegen", sagte die damalige Gesundheits- und Familienministerin Andrea Kdolsky im Jahre 2008 anlässlich der Eröffnung der Enquete mit dem Titel "Klinisch-psychologische und gesundheitspsychologische Behandlung bei Prävention und Versorgung psychischer Erkrankungen – Luxus oder State of the Art".

 

Seither ist die Zahl von psychischen Erkrankungen weiterhin gestiegen. Und es ist jetzt längst an der Zeit ist, die Psychohygiene aus dem „Schmuddeleck“ hervorzuholen und in unserer Gesellschaft neu zu bewerten bzw. aufzuwerten.

 

Die Psychohygiene ist auch nicht mehr nur in der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege und für Therapeuten unentbehrlich, sondern gewinnt eine zentrale Bedeutung für alle Menschen. Denn jeder Mensch soll seine vitalen, emotionalen und intellektuellen Fähigkeiten ausschöpfen, seine Lebenslagen bewältigen, produktiv arbeiten und in der Gemeinschaft seinen Beitrag leisten können.

 

Hochsensible müssen sich noch mehr schützen

 

Vor allem sensible und hochsensible Menschen sind anfällig für „seelisches Leid“ und müssen deshalb meist noch lernen, rechtzeitig Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Viele Hochsensible, die sich allerdings ihrer Hochsensibilität bewusst sind, vermeiden Gewalt-, Katastrophen-, Kriegs- oder Horrorfilme, weil sie genau wissen, was sie damit in Ihr Leben und in ihr System (Körper-Geist-Seele-System) hereinziehen. Sie achten darauf, ihr System nicht zu „verschmutzen“ oder zu „vergiften“, weil es dann wieder Energie bedarf, um diesen „Schrott“ oder „Schmutz“ oder „Müll“ aus ihrem System zu entfernen.

 

Psychohygiene ist eine Einstellungssache

 

Psychohygiene sollte kein „Programm“, sondern eine Einstellung sein. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt und jeder leistet dazu seinen eigenen Beitrag.

 

Die Aufgaben der Psychohygiene

 

Der Psychologe und Buchautor Karl Friedrich Mierke sieht drei Ebenen der Psychohygiene: Die präventive Psychohygiene hat die Gesunderhaltung des Individuums und der Gesellschaft zum Ziel. Die restitutive Psychohygiene ist bemüht, in Lebenskrisen oder Konfliktsituationen frühzeitig regenerative und korrigierende Maßnahmen einzuleiten. Die kurative Psychohygiene nimmt sich bereits bestehender Einschränkungen an, um diese mit klinischen oder psychotherapeutischen Verfahrensweisen zu heilen.

 

Seien Sie ein guter Seelengärtner

 

Seelische Dinge brauchen Zeit zum Wachsen, zum Gedeihen, zum Kräftig- und Saftigwerden und zum Blühen. Die Seele ist wie ein Garten voller Blumen. Auch Ihre Seele braucht Pflege und liebevolle Zuwendung. Nehmen Sie sich zum Beispiel jeden Abend die Zeit, einen Spaziergang durch Ihren Garten zu machen. Schauen Sie nach, ob alles in Ordnung ist und wo eventuell Handlungsbedarf besteht, damit Ihr Seelengarten in seiner gesamten Schönheit erhalten bleibt.

Die Seele pflegen heißt…

 

…darüber reden
Über seelische Probleme mit einer Vertrauensperson reden

… Beziehungen pflegen
Beziehungen sind die wichtigste Grundlage für seelisches Wohlbefinden. Sie geben uns Rückhalt und Anerkennung, fordern aber gleichzeitig unsere Aufmerksamkeit, persönliches Engagement und eine aktive Pflege.

 

... sich entspannen
Durch gezielte Entspannungsübungen, Meditation, indem wir kreativ sind, ein gutes Buch lesen, Musik hören, Sport treiben, einen Spaziergang machen, abschalten oder einfach genießen, können wir Anspannungen, Stress, Hektik und Nervosität begegnen.

 

... etwas kreatives tun
Kreativität ist Nahrung für die Seele. In der Kreativität können wir Gefühle ausdrücken, die Zeit vergessen, neue Erfahrungen machen, zu uns selbst finden. Malen, Gestalten, Musizieren, Spielen, Schreiben. Kreativität steigert unsere Lebensqualität.

.. aktiv bleiben
Aktivität fördert unser gesamtes Wohlbefinden. Durch körperliche Bewegung laden wir unsere Batterien auf. Durch soziale Aktivitäten finden wir Bestätigung und Anerkennung. Aktiv sein, heißt: Sich bewegen, mitmachen, sich interessieren.


... lachen
Lachen erheitert das Gemüt, ist Ausdruck von Lebensfreude und das beste Heilmittel für unsere alltäglichen Sorgen. Wer den Menschen mit Humor begegnet, öffnet die Herzen.

... um Hilfe fragen
Oft tragen wir Probleme mit uns herum. Wir sind blockiert, finden keinen Weg aus der Sackgasse oder wir glauben es löst sich von selber. Je schwerer aber die Probleme, desto wichtiger ist es, dass wir professionelle Hilfe aufsuchen.


... neues Lernen
Nicht nur der Körper, auch Geist und Seele brauchen Anregung, um beweglich zu bleiben. Lernen heißt: Neugierig sein, den Horizont erweitern, Neues ausprobieren, sich auf Unbekanntes einlassen, fachlich und persönlich.

... sich selbst annehmen
Kann ich mich akzeptieren, so wie ich bin, mit allen Fehlern, Schwächen, Defiziten? Mag ich mich, wenn ich in den Spiegel schaue? Sich selbst annehmen heißt: Zufriedenheit ausstrahlen und ernten.

... sich nicht aufgeben
Wir erleben in unserem Leben Schicksalsschläge, Enttäuschungen, Misserfolge, Krisen. Aber wir haben die Wahl: Wir können uns fallen lassen, resignieren, aufgeben. Oder wir können dagegen angehen, kraftvoll, ruhig, gelassen. Jede Krise ist immer auch eine Chance.

 

…weinen zulassen

 

Wenn wir unsere Gefühle unterdrücken, verdrängen oder verleugnen, werden sie uns nur noch mehr quälen. Wichtig ist es hingegen, Gefühle auszudrücken und auszuleben. Auch starke Gefühlsregungen wie das Weinen hat eine starke seelische Reinigung zur Folge und darf deshalb keineswegs unterdrückt werden. Auch wenn wir als Kinder mit Sprüchen wie „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ oder „Männer weinen nicht“ aufgewachsen sind, so gehören Trauer, Schmerz und Leid ebenso zum Leben wie Freude und Glück. 
 
 

… beamen Sie sich an einen Wohlfühlort

 

Überlegen Sie sich einen Ort, der für Sie inneren Frieden und Harmonie ausstrahlt und an dem Sie sich rundum wohl fühlen. An dem Ihnen das Herz aufgeht, Energie einströmt, an dem Sie glücklich sind. Das kann ein bekannter Ort sein, ein Bergsee oder eine Blumenwiese, ein Palmenstrand oder auch ein Phantasieort. Hören Sie das Wasser rauschen, spüren Sie die wärmende Sonne. Die Natur hat große, kräftigende Eigenschaften, saugen Sie diese Eigenschaften auf. Immer wenn Sie erschöpft sind, ziehen Sie sich zurück und machen eine kleine Pause und versetzen Sie sich an diesen Wohlfühlort und spüren Sie die Kraft und Energie, die Sie erfrischt, stärkt und munter macht.


… seien Sie achtsam
Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse, auf Ihre Gedanken und Gefühle? Kennen Sie Ihre „Energieräuber“?