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Seeleninfarkt - Zuviel Job, zu wenig Seele!

 

Die Zahlen

Die Zahlen in Österreich alarmieren. Mag. Christoph Weissenböck von der Plattform karriere.at: Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann in Österreich muss wegen psychischer Erkrankungen frühzeitig in Pension. Seit Mitte der 90er-Jahre verdoppelten sich die Krankenstands-Tage wegen Psycho-Drucks. Durchschnittlich 37 Arbeitstage lang fallen Betroffene wegen seelischen Erkrankungen im Job aus. Stress und Burnout sind längst keine Berufskrankheiten von Top-Managern mehr. Sie haben die Mitte der arbeitenden Gesellschaft erreicht!“

 

Laut Österreichischem Bundesverband für Psychotherapie mussten 44,5 Prozent aller im Jahr 2010 in Österreich für arbeitsunfähig erklärten Angestellten aus psychischen Gründen aus dem Erwerbsleben ausscheiden. In vier von zehn Büros wird laut IMAS-Studie zur Arbeitsmotivation der Österreicher gemobbt. 1,5 Millionen Österreicher sind Burnout-gefährdet, doppelt so viele leiden an Schlafstörungen. Psychische Erkrankungen kosten der österreichischen Volkswirtschaft jährlich in etwa sieben Milliarden Euro. Rund eine Million ist alkoholkrank oder zumindest -gefährdet.

 

Der „Seeleninfarkt“

„Irgendetwas muss da falsch laufen. Der technische Fortschritt hat uns zunehmend von schwerer Arbeit entlastet, die Annehmlichkeiten unseres Lebens haben zugenommen, und trotzdem zeichnet sich in modernen Seelen ein Elend ab, das immer mehr Menschen ins Unglück reißt. Warum tun wir uns das an?“, so der renommierte und anerkannte Arzt, Psychotherapeut, Bestsellerautor Dr. Rüdiger Dahlke, der sich auch mit der ganzheitlichen Psychosomatik beschäftigt. Ruediger Dahlke sieht die Ursachen in einer Fehlentwicklung unserer Gesellschaft. „Der Zwang zum Perfektionismus, überhöhte Ideale und beschleunigte Arbeitsabläufe führen auf vielen Ebenen von der Wirtschaft bis zur Partnerschaft direkt in den Seeleninfarkt. Der Schlüssel zur Gesundung liegt laut Rüdiger Dahlke in einer achtsamen und beseelten Lebensführung, die auf ein bewusstes Ankommen im Hier und Jetzt zielt. Dahlkes Präventions- und Therapieprogramm umfasst Meditationen und Energieübungen, Ernährungsempfehlungen und Tools zur Entwicklung der eigenen Lebensvision. Damit ausgerüstet, können wir uns den Gefahren stellen und sie als Wachstumsmöglichkeit nutzen.“ Rüdiger Dahlke betrachtet in seinem neuestem Buch „Seeleninfarkt“ die Phänomene Burnout und Boreout aus einer spirituellen Perspektive und trifft damit die Zeichen unserer Zeit. So steht laut Rüdiger Dahlke aus der Perspektive von „Krankheit als Symbol“ bei Depressionen das Thema „Tod“ im Vorderrund, bei Burnout mehr der „Lebenssinn“. Allerdings münden beide in den „Seeleninfarkt“, wie auch der heute noch zu wenig beachtete Boreout-Zustand. Menschen können sich nicht nur zu Tode schuften, sondern auch zu Tode langweilen. Beides ist der Seele nicht zumutbar.

 

Ein Herzinfarkt ist mittlerweile „anerkannt“, ein Seeleninfarkt noch nicht, obwohl er sich zur Volkskrankheit Nummer 1 zu entwickeln scheint. Es besteht Handlungsbedarf, aber auch ein Bedarf an einer Bewusstseinsveränderung.

 

Die Bewusstseinskrise kann bewältigt werden
Die Wirtschaftskrise ist viel mehr eine Bewusstseinskrise oder Ethikkrise, das behaupten immer mehr Menschen aus den verschiedensten Bereichen. Für den deutschen Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Unternehmer und Autor Dr. Joachim Galuska stehen eine menschliche Medizin und eine werteorientierte Wirtschaft im Vordergrund. Diese Bewusstseinskrise, die wir in unserer Gesellschaft haben, hat eine fehlgeleitete Werteorientierung an Gewinn und Profit bewirkt. Der Erfolg einer Nation wird nur an wirtschaftlichen Kennzahlen (Bruttosozialprodukt, Arbeitslosenquote, Exportquote, usw.) gemessen und die Bedeutung des Subjektiven, der inneren Werte und der Sinnverbundenheit wird dabei dramatisch unterschätzt.

 

Die Bewusstseinskrise zeigt sich neben der Wirtschaft auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen deutlich. So prognostiziert die Weltgesundheitsorganisation, dass Depressionen bis zum Jahr 2020 nach den Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Erkrankung der Welt werden. Man könnte eigentlich auch sagen, dass je zivilisierter und fortschrittlicher eine Nation wird, desto größer wird dort das psychische Leid.

 

Dr. Joachim Galuska meint, dass angesichts der steigenden Anzahl von Menschen, die aufgrund psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig werden eine therapeutische Versorgung nicht mehr möglich sein wird, weil die Betroffenenzahlen bereits seit Jahren schneller als die Zahl aller Fachkräfte an Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater steigen.

 

Nur wenn die Seele mehr als Teil des Menschen ernst genommen wird und eine ganzheitliche Medizin, im echten Sinne psychosomatische Medizin sich etabliert und der der Mensch in der Therapie nicht als Patient und als Kostenverursacher oder Leistungsträger instrumentalisiert wird, sondern sein Menschsein wieder in den Vordergrund gerückt wird, dann ist es möglich, diese negative Entwicklung in eine positive Richtung zu lenken.

 

Dr. Joachim Glauska: „Wir müssen ehrlicher und menschlicher miteinander umgehen, und das in allen gesellschaftlichen Bereichen. Wir müssen reflektieren, wie wir in Zukunft mit unseren Kindern, mit unserem Arbeitsplatz, unseren Freundschaften, unserer Familie umgehen wollen, und ob weiterhin nur oberflächliche Dinge wie Geld, Sport, Konsum zählen, oder ob es uns gelingt, die Welt der Werte, Gefühle und der Sinnsuche in allen Feldern zu aktivieren.“

 

Menschliche Gefühle werden in der Wirtschaft noch immer unterschätzt

Leider herrscht in vielen Bereichen nach wie vor die überwiegende Überzeugung, dass Gefühle im Arbeitsleben nichts zu suchen hätten. 

Nehmen wir nun mal an, Herr Götz Kaufmann, ein Verkäufer, wird danach gemessen wird, wie viel Profit er macht. Nehmen wir nun mal an, Herr Kaufmann wird von seinem Chef permanent kritisiert, demotiviert und unter Druck gesetzt, den Profit zu steigern, was meinen Sie, in welchem „emotionalen Zustand“ Herr Kaufmann nun auf potenzielle Kunden treffen wird?

 

Wie würde der Erfolg von Herrn Kaufmann aussehen, wenn er sich mit seiner Arbeit identifiziert, das Gefühl hat, eine sinnvolle Arbeit zu leisten und sein Chef eine gute Führungskraft ist, die die Rahmenbedingungen für das Erreichen der Ziele schafft?

 

Nur ein glücklicher Mitarbeiter ist ein erfolgreicher Mitarbeiter!

Das Burnout-Syndrom: Wenn der Lebenssinn verloren geht!
Kaum eine psychische Krankheit hat in den letzten Jahren für so viele Schlagzeilen gesorgt wie das Burnout-Syndrom. Burnout meint einen Zustand mit prozesshafter Entwicklung, der laut der US-Forscherin Christine Maslach durch drei Symptome gekennzeichnet ist. An erster Stelle steht die emotionale Erschöpfung, eine innere Leere und Energielosigkeit, gepaart mit Schlafstörungen und erhöhter Krankheitsanfälligkeit. An zweiter Stelle steht eine Depersonalisierung, der Verlust bzw. die Veränderung des ursprünglichen, natürlichen Persönlichkeitsgefühls. Es handelt sich dabei um eine bestimmte Form von psychischer Störung, bei der die Betroffenen ihre eigene Person (d.h. ihren Körper, ihre Persönlichkeit, ihre Wahrnehmung, ihre Erinnerung, ihr Denken, Fühlen, Sprechen oder Handeln) und/oder Personen und Objekte innerhalb ihrer Umwelt als verändert, fremd, nicht zu sich gehörig, leblos, fern oder unwirklich erleben. Dies zeigt sich oft in einer zynischen Grundhaltung, einer Abnahme an Sozialkontakten und in einer Unzufriedenheit mit den Arbeitsaufgaben, die zum „Dienst nach Vorschrift“ führen kann. Und an dritter Stelle steht eine objektive Leistungsreduktion, die dem subjektiven Gefühl der chronischen Überforderung und Leistungsabnahme („Ich schaff es nicht mehr“) folgt.

 

Jesuitenpater und Managementtrainer Dr. Benno Kuppler macht vor allem Selbstausbeutung als Burnout-Ursache aus: Die oft unbegründete Angst, das Pensum nicht zu schaffen und vor dem Chef schlecht dazustehen, mache viele Menschen zum Workaholic. "Der vorauseilende Gehorsam setzt sie zusätzlich unter Stress".

 

TV-Psychologin Angelika Kallwass kennt die subtilen Stressfaktoren: "Es gibt unausgesprochene Normen in vielen Unternehmen, die in keinem Arbeitsvertrag stehen: Man muss immer gut drauf sein, alles geben und alle störenden Gefühle wegschieben. Und es steckt eine große Verführung in der Botschaft: ,Du bist unersetzbar! Wenn du zu uns gehörst, dich über uns definierst, geben wir dir die Möglichkeit, groß zu werden. In gewisser Weise ist dies eine Form von moderner Leibeigenschaft".

 

Was brauchen wir? Ein Umdenken auf allen Ebenen!

Die Frage stellt sich nun, was brauchen wir? Leider ist der Urheber des Sprichwortes „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“ unbekannt, dennoch ist es ein weiser Spruch, der das Fundament für bewusste Veränderung, Entwicklung und Wachstum darstellt.

 

Wir brauchen ein anderes, erweitertes, höheres Bewusstsein auf kollektiver Ebene (Gesellschaft, Politik, Medizin, Wissenschaft und Wirtschaft), aber auch auf individueller Ebene.

 

Auf der Ebene der Unternehmen wird die Wichtigkeit der „Betriebliche Gesundheitsförderung“  immer mehr ins Bewusstsein der Firmenbosse treten, um als Unternehmen den Herausforderungen der Zukunft auch begegnen zu können. Auch der Gesetzgeber in Österreich möchte nun Unternehmen verpflichten, Maßnahmen zur Burnout-Prävention zu ergreifen.

 

Burnout-Vorsorge

In jedem Falle müssen wir die Überzeugung gewinnen, dass „Vorbeugen besser als Heilen“ ist und somit die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Burnout-Prävention schaffen!

 

Laut dem Burnout-Leidfaden zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (2. Überarbeitete Auflage, Wien 2012), herausgeben vom Fonds Gesundes Österreich vermissen 60 Prozent der Interviewten Information und Aufklärung über die Burnout-Problematik. Konkret interessieren sie die Fragen „Was genau ist Burnout?“ Wie äußern sich Burnout-Symptome? Wie kann man Stress besser verarbeiten?“

 

Niemand ist zu jung oder zu alt, um etwas für die Gesundheit seiner Seele zu tun. Epikur

 

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