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Nachhaltiges Arbeiten ist ein weiblicher Weg

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit?

Nachhaltiges Handeln bedeutet Ressourcen zu schonen und so zu nutzen, dass sie auch für unsere Nachwelt (in indigenen Naturvölkern wird von sieben Generationen in die Zukunft gesprochen) erhalten bleiben. Bei der Nutzung geht es um die Bewahrung der wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des jeweiligen Systems. Ressourcen können sich dabei auf Rohstoffe, Geld, Natur- und Artenschutz, Landwirtschaft, Menschen, Gesundheit, usw. beziehen.


Nachhaltigkeit ist eine Haltung

Schon im Wort Nachhaltigkeit steckt das Wort „Halt“. Und Halt hat etwas mit Haltung zu tun. Eine Haltung ist eine Gesinnung, die auf ein Ziel gerichtete Grundhaltung eines Menschen. Man kann eine Haltung nicht lernen, sondern in einem Prozess gewinnen oder in sich selbst erkennen.

 

Erich Harsch von dm meint, dass ein Unternehmen nur dann nachhaltig handeln kann, wenn all seine Mitarbeiter Nachhaltigkeit zur Maxime ihres täglichen Tuns erheben. So nimmt sich Erich Harsch Zeit für die Menschen, die ihm wichtig sind, trinkt fair gehandelten Kaffee und steigt lieber aufs Rad statt in sein Auto.

Nachhaltiges Arbeiten passiert nicht von heute auf morgen. Gerade in großen Konzernen bedarf es einer eigenen Strategie zu einer gelingenden Umsetzung. So betont Frank Henke von Adidas „Der Weg zu mehr nachhaltigem Wirtschaften ist ein Marathon und kein Sprint“. Frank Henke fährt Fahrrad oder geht zu Fuß, denn das schont die Umwelt und hält außerdem fit.

Nachhaltigkeit gehört zu unserem Handeln und ist Kern der Geschäftsstrategie bei der Allianz, sagt Julia McNally, Leiterin Sustainable Development. Julia McNally vermeidet es, verschwenderisch mit natürlichen Ressourcen zu sein und versucht, dass die Unternehmen, bei denen sie Produkte kauft, ihre persönlichen Werte reflektieren.

  

Nachhaltigkeit muss umfassender und ganzheitlicher sein

Das langfristige Überleben eines Unternehmens wird maßgeblich durch den Sinn und Zweck beeinflusst, denn er definiert immer mehr die Daseinsberechtigung des Unternehmens in der Zukunft. Unternehmer werden sich immer mehr dazu gezwungen fühlen, den Zweck ihres Unternehmens zu hinterfragen. Arbeitnehmer sind aufgerufen, die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit zu hinterfragen. Macht mein Unternehmen oder meine Arbeit die Welt reicher, bunter, lebenswerter, liebevoller, respektvoller, gesünder, leichter, wertvoller?

  

Nachhaltiges Arbeiten verlangt ein neues Welt- und Menschenbild

Im mechanistisch-materialistischen Welt- und Menschenbild gibt es nur das, was man physisch sieht. Es beruht auf der Vorstellung, dass der menschliche Körper eine biochemische Maschine ist und das Individuum als Wirtschaftsobjekt gesehen wird. Demnach wird die Vorstellung in der Medizin nachvollziehbar, dass der Mensch wie eine Maschine „funktioniert“ und auch wieder „funktionstüchtig“ gemacht werden kann. Einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler Charles Robert Darwin (1809-1882) war davon überzeugt, dass es um das Erlangen von Wissen geht, wie man die Natur kontrollieren (dem Menschen untertan machen) kann. Das wirtschaftliche Wachstum ist das Maß aller Dinge und ein unbegrenztes Wachstum wird angestrebt.

 

In einem neuen Welt- und Menschenbild erkennt sich der Mensch selbst als ein Teil der Natur. Der Mensch ist eine Einheit von Körper, Geist und Seele und verfügt über Selbstheilungskräfte. Neben der materiellen Welt gibt es auch unsichtbare Energien, wie das Denken und Fühlen. Die Quantenmedizin bezieht Materie und Geist mit ein. Schon Albert Einstein war der Überzeugung, dass das Denken, der Geist, der Verstand das „Feld“ ist, das unseren Körper verändert.

 
Nachhaltigkeit in der Praxis

Es gibt mittlerweile immer mehr Beispiele, die zur Bewusstseinsbildung für einen Systemwandel beitragen und aufzeigen, wie zukünftiges und nachhaltiges Arbeiten aussehen kann. Nur zwei Beispiele möchte ich hier aufzählen:

  

Die Gemeinwohl-Ökonomie

Eine international vernetzte Bewegung baut ein ethisches Wirtschaftssystem auf, das auf gemeinwohlfördernden Werten beruht. Der Unternehmenserfolg wird anhand gemeinwohlorientierter Werte bewertet. Ziel dieser Bewegung ist ein gutes Leben für alle Lebewesen und den Planeten. Menschenwürde, globale Fairness und Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung sind dabei wesentliche Elemente. Der Salzburger Christian Felber gilt in Österreich als einer der Vorreiter und Begründer dieser Bewegung.  

 

Ökoeffektivität (Cradle-to-Cradle-Konzept)

Der deutsche Verfahrenstechniker und Chemiker Michael Braungart entwickelte zusammen mit William McDonough ein Konzept für eine Kreislaufwirtschaft. Es geht darum, dass jedes Produkt wieder verwertbar sein kann, vorausgesetzt, es wurde dafür auch entworfen. Dabei wird von einem anderen Menschenbild ausgegangen, das den Menschen als Nützling auf dieser Erde sieht. 

Evolutionäre Organisationen als lebendiger Organismus mit Seele

Frederic Laloux hat in seinem Buch "Reinventing Organizations - Ein illustrierter Leitfaden sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit" nicht nur die Stufen der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins beschrieben, sondern auch 50 Unternehmen untersucht, die einem anderen Denkansatz folgen und Pionierleistungen vollbracht haben und teilweise schon über 30 Jahren aus dem neuen integralen Paradigma leben. Diese Unternehmen nennt Laloux "evolutionäre Organisationen" (lebende Organismen mit Seele). Drei Kennzeichen lassen sich erkennen: Selbstführung, Ganzheit und evolutionärer Sinn. Ungleiche Machtverteilung wird überwunden, sie lauschen nach innen, richten sich auf ihren evolutionären Sinn aus, konzentrieren sich auf das, was getan werden muss und nicht auf die Profitabilität (paradoxerweise sind sie sehr profitabel) und suchen nach einer praktikablen Lösung, die schnell implementiert werden kann und nicht nach der bestmöglichen Lösung. Sie nähern sich sehr stark einer Wirtschaft mit geschlossenen Kreisläufen ohne Müll und Gift und 100 Prozent Recycling an.  Sie unterstützen Menschen dabei, ihre Ganzheit wiederzuerlangen und ihr vollständiges Selbst in die Arbeit einzubringen. Wenn Mitarbeiter eingeladen werden, auf den Sinn der Organisation zu hören, dann werden sie auch nach ihrer eigenen Berufung fragen. In Bewerbungsgesprächen geht es um die einfache und grundlegende Frage "Haben wir das Gefühl, dass wir für einen gemeinsamen Weg bestimmt sind?"

Gerne möchte ich hier einen beeindruckenden Vortrag von Frederic Laloux empfehlen: HIER


Nachhaltige Unternehmen zeigen, dass es eben auch anders geht
Um nur zwei zu nennen: Tele Haase, der Elektrobetrieb und Wiener Unternehmen wird fast komplett von den Mitarbeitern geführt. Der Chef bleibt im Hintergrund.
Ricardo Semler hat mit dem Semco System in seinem Unternehmen schon in den 1980er Jahren einen neuen radikalen Führungsstil eingeführt, der weltweit nach wie vor als Inspiration für andere Unternehmen dient.  


Was macht Arbeit zu nachhaltiger Arbeit? Ein Kriterienkatalog könnte folgendermaßen aussehen: 

  • Die hergestellten Produkte und Dienstleistungen müssen den Menschen, Tieren, Pflanzen und dem Planeten dienen.
  • Das Unternehmen ist am evolutionären Sinn orientiert und nicht mehr gewinnorientiert.  
  • Das quantitative und materielle Wachstum ist begrenzt und der Fokus liegt mehr auf einem natürlichen, gesunden und qualitativem Wachstum.
  • Bei der Produktion von Waren ist auf die Achtung und Wertschätzung von Pflanzen, Tieren und Menschen und auf die Begrenztheit von Ressourcen des Planeten zu achten.
  • Die Produktion muss ressourcenschonend erfolgen.
  • Für die Gesundheit, das Wohl und die Weiterentwicklung der Mitarbeiter ist zu sorgen.
  • Persönliche Fähigkeiten müssen im Arbeitsprozess eingebracht und entwickelt werden können.
  • Potenzialentfaltung und Selbstverwirklichung der Mitarbeiter dient der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
  • Mitarbeiter müssen als Person wahrgenommen und in ihrer Einzigartigkeit wertgeschätzt werden.
  • Die Arbeit muss als Quelle für Freude und Kraft, als bereicherndes Tun und als sinnstiftend gesehen werden.
  • Die Arbeit darf weder unter- noch überfordern.
  • Das Einkommen muss als gerecht empfunden werden.

 

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